Quergedanken


Es war sein letzer Einkauf....


Heute in einem Discounter- ich kam selber gerade vom Doc, schnell einkaufen und nix wie nach Hause. (eben nicht so fit) Gehe rein- alles ist wie immer.
Dann Mittelgang: Am Boden liegt - ein Mann. Um ihn rum ein paar Sanitäter in weiß. Da er an der Ecke lag (Kreuzung sozusagen- war ich nah dran, ohne vorher zu wissen was an der Ecke geschieht) Sah noch das er ein Mundstück bekommen hatte.

Nunja-was macht man: weiter einkaufen, klar. Und denke mir; gleich werden Sie ihn hochheben oder die Trage holen und dann wirds ins Khs gehen.
Doch kurze Zeit später: zwei Notärzte sind angekommen.
Ich denke: ohh jee scheint doch etwas schlimmer zu sein.

Und tue das was alle tun- weiter einkaufen. Aber ich kann nicht wirklich klar denken. Was wohl die anderen denken? Denken sie wohl was essen wir heute abend oder denken sie an den Mann?
Ich kann nicht anders und schaue von der Ferne noch mal flüchtig hin. Warum nehmen sie ihn nicht endlich mit. (Auch Kleinkinder sind im Laden) die Kasse ist besetzt. Alles normal, also eigentlich- wie immer.

Mein flüchtiger Blick erfasst: Herzmassage- ich sehe seinen recht umfangreichen Bauch wie er auf und nieder geht. Weiter und weiter Herzmassage. Oh man: ich sende eine Art Stoßgebet zum Himmel. Für Mister Unbekannt. "Nun helft ihm doch- verdammt- es ist schon soo lange" Der Defribrilator (oder wie heißt das Teil?) also Stromstöße.
Ich bin mittlerweile an der Kasse. Alles normal. Doch da nur ein Stück weiter gerade aus- meine Augen wandern unbemerkt dahin. Ich sehe wie Er zuckt- nun bitte nehmt ihn doch hoch! Wieder nichts. Der Monitor lässt ein schaurigen langen Piepton hören.
Die Kassiererin nennt mir ihren Betrag, ich zahle und gehe. Eigentlich ist alles wie immer. Nur da drinnen stirbt gerade ein Mensch. Vielleicht wartet daheim seine Frau und denkt "wie lange braucht er denn heute wieder zum einkaufen?" oder sein Hund der weiß das es gleich Leckerlis gibt.
Sonst immer- ab heute nicht mehr.
Ich packe draußen mein Eingekauftes langsam aufs Rad 2 Meter von mir stehen direkt vor der Türe die drei Krankenwagen. Ich hoffe immer noch das er endlich nach draußen kommt und es mit Blaulicht losgeht. Ahnend sie werden fahren - ohne Ton.
Es ist doch alles wie immer- eigentlich- nicht- denn da war ein Mensch der von Einkaufen nicht mehr wiederkehrte. Und ich bin traurig- weil wieder ein Mensch es nicht geschafft hat. Obwohl ich ihn nicht mal gekannt habe.
Fahre heim und mir geht dieser dicke Bauch nicht aus dem Kopf. Nicht wg. der Kilos- DOCH wg. der Kilos- es heißt das Bauchfett ist das gefährlichste Fett fürs Herz. Und denke an einen lieben Freund von mir und seinen dicken Bauch und bekomme Angst. Kürzlich sagte er: er muss endlich abnehmen, ja ich werde ihn dran erinnern.
Denke an Knuts Pfleger Dörflein, zu jung- das Herz. Denke an vor fast einem Jahr- wie ein mir besondere Mensch kurz nach seinem 39zigsten verstarb. Das Herz.
Mein Herz ist jetzt wütend und traurig- denn irgendwie sagt es zu oft einfach: Aus- und vorbei.
Sonst geht fast alles eigentlich wie immer weiter.Und auch der Betrieb in der großen Herzklinik nur 2 min. entfernt wird weitergehen.

Edit: ein Tag drauf erzählte mir ein Sanitäter- manchmal muss das Herz komplett aufhören um einen Menschen am Leben zu erhalten. Und manchmal kann eine Wiederbelebung noch länger gehen. -Es sah zwar nicht so aus- es wurde zu ruhig..... Aber vielleicht.... es wäre schön.

 Nocmal Edit: er ist gestorben- eine Kollegin war ne halbe Std.nach mir dort- Laden geschlossen....

 

29.9.08 18:02
 
Letzte Einträge: Seifenspenderröckchen; Handytasche, Schneestraßen-Mauern..., Forum Herzwege, Podcast Thema Internet, Aaaachtung, hier kommmt der Launefredel oder doch Frieda?

Gratis bloggen bei
myblog.de



Design

 

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.

************

Nicht weil es schwer ist,
wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen,
ist es schwer

Seneca

Follow hypno_sie on Twitter